Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg
von Sonja Alberti (Kommentare: 0)
Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg ist ein Kommunikations- und Haltungskonzept, das helfen soll, Verbindungen statt Konflikte zu schaffen – mit anderen und mit sich selbst.
Im Kern geht es darum, ehrlich auszudrücken, was in uns vorgeht und empathisch zuzuhören, ohne zu bewerten, zu beschuldigen oder zu manipulieren.
Wichtige Grundideen der Gewaltfreie Kommunikation:
- Alle Menschen handeln aus Bedürfnissen heraus (auch wenn die Strategien manchmal ziemlich ungünstig sind)
- Konflikte sind Tragödien unerfüllter Bedürfnisse, keine Bosheit
- Empathie heißt nicht zustimmen – sondern verstehen wollen
Gewaltfreie Kommunikation ist weniger eine Technik, mehr eine Haltung.
Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation
1. Beobachtung (ohne Bewertung)
Was ist konkret passiert, ohne Interpretation oder Urteil?
Beispiel:
Nicht: „Du bist unzuverlässig.“
Sondern: „Du bist diese Woche zweimal später als vereinbart gekommen.“
Wichtig: Nur beschreiben, keine „immer-“, „nie-“, „typisch“-Aussagen.
2. Gefühl
Was fühle ich in dieser Situation?
Beispiel:
Nicht: „Ich ärgere mich über dich.“
Sondern: „Ich fühle mich frustriert und enttäuscht.“
Gefühle sind innere Zustände, keine Gedanken über andere.
3. Bedürfnis
Welches unerfüllte oder erfüllte Bedürfnis steckt hinter dem Gefühl?
Beispiele für Bedürfnisse: Sicherheit, Verlässlichkeit, Wertschätzung, Ruhe, Autonomie, Verbindung.
Gefühle entstehen nicht durch das Verhalten anderer, sondern durch erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse.
4. Bitte (konkret und erfüllbar)
Um was bitte ich konkret, im Hier und Jetzt oder in der Zukunft?
Beispiel:
Nicht: „Sei halt zuverlässiger.“
Sondern: „Könntest du mir bis 9 Uhr Bescheid geben, wenn du später kommst?“
Eine Bitte ist…
- positiv formuliert (was ich will, nicht was ich nicht will)
- konkret
- freiwillig (kein versteckter Befehl)
Beispiel für eine gesamte Aussage nach Gewaltfreie Kommunikation
„Als du gestern 30 Minuten später gekommen bist, ohne Bescheid zu sagen (Beobachtung), habe ich mich ärgerlich und unsicher gefühlt (Gefühl), weil mir Verlässlichkeit und Planung wichtig sind (Bedürfnis). Wärst du bereit, mir künftig kurz zu schreiben, wenn du dich verspätest? (Bitte)“
Im Kita- und Tagespflege-Alltag kann Gewaltfreie Kommunikation gut eingesetzt werden, z.B. bei Konflikten zwischen Kindern.
Statt zu schlichten oder zu bestrafen haben Sie diese Möglichkeiten:
- Beide Kinder anhören
- Gefühle spiegeln
- Bedürfnisse sichtbar machen: „Du bist wütend, weil du noch bauen wolltest. Und du bist traurig, weil dein Turm kaputt ist.“
Dann gemeinsam Lösungen suchen: „Was könnten wir jetzt tun, damit es für euch beide passt?“
Wollen Sie mehr darüber wissen? Kein Problem - schauen Sie unseren Kurs „Gewaltfreie Kommunikation in Kita und Tagespflege“ an.