Neurodiversität

von Sonja Alberti (Kommentare: 0)

„Was ist schon normal?“

Neurodiversität und Neurodivergenz – Was bedeuten diese Konzepte für die Arbeit in Kita und Tagespflege?

 

Die Frage „Was ist schon normal?“ steht im Zentrum der Diskussion über Neurodiversität und Neurodivergenz – besonders in pädagogischen Bereichen wie Kita und Kindertagespflege. Diese Konzepte helfen Fachkräften, Unterschiede in der neurologischen Entwicklung von Kindern besser zu verstehen und wertschätzend damit umzugehen.

„Die Verschiedenheit der Menschen war noch nie offensichtlicher, genauso wie die wachsende Komplexität im Miteinander. … Welche Besonderheiten als neurodivergent bezeichnet werden können, kommt auf den Einzelfall an. Auf die Innenansicht (Bin ich anders? Inwiefern?) und auf die Außenansicht (Ist sie/er anders? Was ist anders?)“[1]

 

Neurodiversität – Vielfalt des Gehirns

Neurodiversität beschreibt die Idee, dass Unterschiede in der Funktionsweise des Gehirns ein natürlicher Teil menschlicher Vielfalt sind – ähnlich wie Unterschiede in Persönlichkeit, Kultur oder Sprache.

Der Begriff wurde stark geprägt durch die Soziologin Judy Singer.

Das Konzept besagt:

Es gibt keine eine „richtige“ Art zu denken oder zu lernen.

Unterschiedliche neurologische Entwicklungen sind nicht automatisch Defizite, sondern Varianten.

Zu neurodivergent Formen gehören z. B.:

  • Autismus-Spektrum-Störung
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Legasthenie
  • Dyskalkulie
  • Tourette-Syndrom

 

Bedeutung für die Arbeit in Kita und Tagespflege

Die Konzepte verändern vor allem den pädagogischen Blickwinkel - Weg vom Defizitblick.

Früher stand oft die Frage im Mittelpunkt: „Was kann das Kind nicht?“

Heute eher: „Wie lernt dieses Kind? Was braucht es?“

 

Praktische Konsequenzen im Alltag

  1. Individualisierte Förderung
  • unterschiedliche Lernwege zulassen
  • Interessen des Kindes nutzen
  • flexible Methoden einsetzen
  1. Reizarme bzw. strukturierte Umgebung

Viele neurodivergente Kinder profitieren von:

  • klaren Tagesstrukturen
  • ruhigen Rückzugsorten
  • visuellen Plänen oder Symbolen
  1. Stärkenorientierung

Beispielsweise können Kinder mit Autismus:

  • besonders detailgenau sein
  • starke Interessen entwickeln
  • hohe Konzentration auf Spezialthemen zeigen
  1. Zusammenarbeit mit Eltern und Fachstellen
  • Austausch über Beobachtungen
  • Unterstützung und Beratung
  • Zusammenarbeit mit Frühförderstellen oder Therapeut:innen

Wir arbeiten derzeit an einem neuen E-Learning-Kurs zu dem Thema. Also: schau immer mal rein und verpasse unsere neuen Angebote nicht.

 

 

Literaturverzeichnis

  1. entnommen aus Maria Zens: Neurodiversität in der Kita. Don Bosco Verlag 2025. GTIN 4260694923825

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